EMS-Training: Acht Fragen und Antworten zum Elektro-Workout

Nur 20 Minuten Training pro Woche machen fitter, schlanker, muskulöser: Klingt wie ein Fitness-Märchen, kann aber tatsächlich wahr werden. Das versprechen zumindest die zahlreichen Anbieter für EMS-Training. Wir beantworten die acht wichtigsten Fragen rund um das Elektro-Workout. 

Brünette Frau führt, angeschlossen ans EMS-Trainingsgerät, macht eine Fitnessübung

1. Was ist EMS-Training?

EMS steht für Elektromyostimulation. Beim EMS-Training fließen elektrische Impulse durch den Körper und erzeugen Muskelkontraktionen. Das heißt, die Muskulatur wird nicht mit Gewichten unter Spannung gebracht, sondern mithilfe von Strom stimuliert. Ursprünglich wurde Elektro-Training für die Physiotherapie entwickelt, um Patienten bei der Rehabilitation zu unterstützen. Nach einer Operation etwa hilft EMS-Training, Muskelschwund vorzubeugen und gezielt Muskelgruppen zu trainieren und aufzubauen. Auch Leistungssportler können für bessere Erfolge mit dem Strom-Workout ihr gewohntes Training ergänzen. Mittlerweile wird EMS-Training für Jedermann in speziellen Studios angeboten. Unabhängig von Alter und Trainingslevel kann jeder ein Ganzkörpertraining mit Reizstrom absolvieren.

 

2. Wie funktioniert EMS-Training?

Damit die elektrischen Impulse die Muskulatur erreichen und diese trainieren können, ist eine spezielle Ausrüstung nötig. Die Trainierenden schlüpfen in spezielle Kleidung, die man sich im Studio leiht. Darüber kommen eine Weste sowie Manschetten für Oberarme und Oberarme und ein Gurt fürs Gesäß. Die Spezialkleidung wird vorher nass gemacht – Wasser leitet Strom. Weste, Gurt und Manschetten sind mit Elektroden ausgestattet, die über Kabel mit dem Trainingsgerät verbunden werden. Das ist eine Art Pult, über das  sich die Intensität der Stromstöße regeln lässt. Das Pult zeigt zudem die Dauer der einzelnen Impulse sowie die Pausen dazwischen an. EMS-Training findet immer nur unter Aufsicht eines Personal Trainers statt. Dieser beaufsichtigt das komplette Workout, steuert die Stromimpulse, macht Übungen vor und korrigiert etwaige Haltungsfehler. 

3. Wie fühlt sich EMS-Training an?

Wer bereits Erfahrungen mit EMS-Training gemacht hat, weiß: Das Strom-Workout ist eine kribbelige Angelegenheit. Doch zunächst einmal irritiert die Kleidung, die sich anfühlt wie ein eben aus dem Wasser gefischter Neoprenanzug. Spätestens nach der ersten Übung ist die feuchte Kleidung aber vergessen. Die Stromimpulse fühlen sich an wie kleine Nadelpiekser; man ist sehr damit beschäftigt, den Hinweisen des Trainers zu folgen und die Übungen korrekt auszuführen. Mit jedem Stromstoß ziehen sich die Muskeln zusammen und beginnen zu zittern. Die effektivste Methode, diesem ungewohnten Gefühl zu begegnen: Muskeln voll anspannen. Mit jedem neuen Intervall erhöht der Trainer die Stromimpulse gezielt für bestimmte Muskeln, das Kribbeln wird jedes Mal stärker. Anders als beim Joggen oder Krafttraining im Fitnessstudio spürt man die einzelnen Muskelpartien beim EMS-Training viel bewusster. Oberarme, Bauch, Brust, unterer und oberer Rücken, Oberschenkel und Gesäß können gezielt mit mehr oder weniger Strom stimuliert werden. 

4. Für wen eignet sich das Workout mit den Stromimpulsen?

Ob Sportskanone oder Couch-Potato, jung oder alt, kräftig oder schlank – EMS-Training eignet sich theoretisch für jeden, mehr dazu unter Frage 5. Man kann damit gezielt Rückenschmerzen bekämpfen, Muskeln aufbauen, das Bindegewebe straffen, die Kondition steigern sowie Fett an Bauch, Armen und Beinen reduzieren. Weil EMS-Training tatsächlich nur 20 Minuten dauert, profitieren vor allem Menschen mit wenig Zeit davon. 

5. Für wen eignet sich EMS-Training nicht?

Menschen mit Herzschrittmacher oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Personen mit erhöhtem Thromboserisiko und Schwangere sollten von einem EMS-Training absehen. Vor der ersten Trainingseinheit müssen eventuelle Gesundheitsrisiken durch den Personal Trainer abgeklärt werden.

6. Birgt das EMS-Training Risiken?

Auch wenn der EMS-Trend boomt – wer sich beim Training unter Strom nicht wohl fühlt oder im Anschluss an Kreislaufproblemen oder gar Herzrasen leidet, sollte seine Gesundheit besser nicht aufs Spiel setzen. Sport soll schließlich das Wohlbefinden steigern und keine Probleme hervorrufen. 

7. Wie schnell zeigen sich mit EMS-Training Erfolge?

Eine EMS-Trainingseinheit ersetzt circa zwei Stunden Schwitzen im Fitnessstudio. Allerdings sollten EMS-Einsteiger ihren Muskeln nicht mehr als eine Einheit pro Woche zumuten. Weil die Muskulatur bis in die Tiefe angesprochen wird, benötigt sie mehr Zeit zur Regeneration. Der Muskelkater folgt nach jeder Einheit – wenn auch erst zwei Tage später. Wer von der ersten Erfahrung mit EMS-Training nicht abgeschreckt ist und konsequent weitertrainiert, sollte bereits nach wenigen Trainingseinheiten erste Resultate bemerken. Insbesondere wenn der Sport unter Strom noch mit ein bis zwei zusätzlichen Einheiten herkömmlichen Ausdauer- oder Krafttraining kombiniert wird, zeigen sich relativ schnell positive Effekte.

8. Wie hoch sind die Kosten für EMS-Training?

Einen Haken hat das EMS-Training: Es ist nicht ganz billig. Eine Trainingseinheit kostet um die 20 Euro. Im Monat kommen da schnell 100 Euro zusammen. Zudem fordern die meisten Studios eine Aufnahmegebühr, mit der beispielsweise die Bereitstellung der EMS-Wäsche gewährleistet wird. Wem Zeit wichtiger als Geld ist, der dürfte beim EMS-Training sein Fitnessglück finden.